Sommerfest im Waldorfkindergarten Tutzing

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Höhepunkt zur Wende des Jahres: Altes muss aufhören, Neues beginnen

„Ich muss meinen Kranz haben, jetzt!“, zerrt Michael an Mamas Hand , stülpt sich seinen mit Margeriten und Rosen geschmückten Blumenkranz auf den Kopf und rennt seinen Freunden hinterher in den Kindergarten. Er stoppt am Eingang und schaut sich die mit Blumen und Buchsbaum geschmückten Girlanden an. Es ist die Zeit des Sommers, die Zeit des Lichtes und der Hitze. Und im Waldorfkinderhaus Tutzing die Zeit der Feste. Eines der Höhepunkte des Jahresablaufs ist das Sommerfest. Alle Kindergartenkinder, ihre Familien und die Kinder, die ab September in den Kindergarten aufgenommen werden, sind eingeladen. Familien, die eine Patenschaft für einen der Neuankömmlinge übernommen haben, treffen sich am Eingang mit der neuen Familie und verbringen den Nachmittag gemeinsam.

An diesem Tag wird gespielt, getanzt und die selbstbereiteten Kuchen und Salate verspeist. Wochenlang hat sich der Elternbeirat auf dieses Fest vorbereitet – alle Eltern haben geholfen: Es wurden Zwerge genäht für den Parcourslauf, Papiervögel für das Vogelspiel gebastelt, Fischchen gebacken für das Angelspiel – und mehrere Dutzend Edelsteine versteckt in einer stundenlang kunstvoll gebauten Sandburg im großzügigen Sandkasten des im vergangenen Jahr neu errichteten Waldorfkinderhauses. All das bereiten die Eltern vor, sie sind eine wichtige Stütze und Teil des pädagogischen Konzepts im Waldorfhaus.

Das Fest ist eingebettet in den jahreslauf und gibt den jüngeren Kindern die Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld auf das Fest einzustellen und auch an die vergangenen Feste zu erinnern. „In der Woche des Festes nehmen wir uns nichts anderes vor, als alles gut vorzubereiten und Hektik zu vermeiden. Wir wollen uns mit den Kindern auf das Fest freuen“, sagt Helga Grutscha, langjährige Erzieherin im Waldorfkindergarten Tutzing, im Vorfeld. So erleben Kinder und Erwachsene, dass Feste mit Achtsamkeit und Freude fokussiert und strukturiert gestaltet werden. Sie sind ein aktiver Teil des Ganzen und nicht nur Teilnehmer und erleben sich auch dementsprechend als Teil einer Gemeinschaft, die etwas zusammen tut, sich hilft und unterstützt, jeder so wie er kann. „Es gibt Orientierung, vor allem in der Geborgenheit einer Gemeinschaft und nährt die Seele. In Krisenzeiten sind dies oft wertvolle Erinnerungen“, weiß die scheidende Leiterin Mechthild Sonntag aus ihrer rund 30-jährigen Erfahrung im Kindergarten. Auch sie wird nach ihrem Abschied von diesen gemeinsamen Erlebnissen zehren.

So wie Dr. Michael Spieker, der als langjähriger erster Vorstand des tragenden „Vereins zur Waldorfpädagogik“ vom neuen Vorstand Tobias Gahleitner verabschiedet wurde. Die Kinder, die schon mehrmals, am Sommerfest teilnahmen, kennen die Spiele und warten sehnsüchtig darauf, an der Reihe zu sein. Dabei geht es nicht ums Gewinnen, darum der „Erste“ zu sein, sondern um das Miteinander. Eines der Höhepunkte für die Kinder ist das Elternspiel, bei dem sich die Herrenmannschaft in traditionelle Damenklamotten und die Damen in bauchige Herrengewänder kleiden muss und vollständig mit den sieben Sachen bestehend aus Brille, Koffer, langen Unterhosen und Sonnenschirmchen im Ziel ankommt.

Und dann endet das Fest gemeinsam so wie es begonnen hat mit Musik, begleitet von der ganzen Familie Henckel. Den Liedtext können die Eltern, deren ältere Kinder bereits im Waldorfkindergarten waren, derweil auswendig: Kein schöner Land in dieser Zeit. Und der Kranz? Den hat inzwischen Michis Mama auf.

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